App als Behandlungsunterstützung für Immunerkrankungen

Entwicklung eines Informationssystems für die Behandlung immunmediierter Erkrankungen

© Fraunhofer CIMD
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Aktuell verändert sich die Therapielandschaft immunmediierter Erkrankungen rasant durch die Entwicklung von Therapien mit zielgerichteten krankheitsmodifizierenden Wirkmechanismen wie Biologika-Therapien und synthetischen DMARDs (Disease-Modifying Antirheumatic Drugs). Auch in Zukunft kann davon ausgegangen werden, dass die Anzahl dieser Therapieoptionen weiter zunehmen wird und den behandelnden Ärzten eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Den Überblick über Vorteile und Nachteile von Therapieverfahren zu erhalten, ist erschwert und beeinflusst die klinische Entscheidungsfindung für eine möglichst individualisierte und gezielte Therapie jedes einzelnen Patienten.

Arzt- und Patienteninformationssystem

Zu den immunmediierten Erkrankungen zählt die Psoriasis-Arthritis, die eine Vielzahl von Symptomen als Ausprägung haben kann. Hier finden sich Gelenkbeschwerden mit Arthritis, Entzündungen ganzer Finger oder Zehen (Daktylitis) sowie Beteiligung der Sehnen (Enthesitis) und/oder der Wirbelsäule. Ein Arzt- und Patienteninformationssystem mit schnellem Zugriff wäre hier sinnvoll, um sich im klinischen Alltag schnell und übersichtlich über die gängige Expertenmeinung zu informieren. Diese kann mit dem eigenen Wissen aus Erfahrung, Leitlinien und aus Studiendaten verknüpft und so die Therapie des Patienten nachhaltig verbessert werden. Durch eine interaktive Oberfläche sollen die individuellen Bedürfnisse und das Befallsmuster des Patienten bei der Informationsabfrage berücksichtigt werden können.

Flexibles Design

Bevor das Therapieinformationssystem für die Psoriasis-Arthritis umgesetzt wird, soll zunächst eine Rahmenapplikation erstellt werden, die dann flexibel auch für andere Indikationen genutzt werden kann. Da es mit der steigenden Anzahl an Medikamenten auch in anderen Erkrankungen (Asthma bronchiale, multiple Sklerose etc.) potenziell zu einer Wissenslücke über die Wirksamkeit der Medikamente bei verschiedenen Manifestationsformen kommt, soll das Informationssystem modular und möglichst ohne tiefergehende Programmierkenntnisse an andere Krankheiten anpassbar sein. Auch die Wartung des Systems und die Aktualisierung mit neuen Informationen soll bereits bei der Entwicklung der Rahmenapplikation berücksichtigt werden. Der Rahmen vereint in einzelnen Modulen alle Funktionen für die Visualisierung der abzubildenden Informationen und liefert damit die Benutzerschnittstelle der Applikation. Ein weiterer Bestandteil des Rahmens wird sein, ein generalisiertes Format für die Wissensrepräsentation aus verschiedenen Quellen (Leitlinien, weitere wissenschaftliche Publikationen, Rote Liste, grey literature etc.) zu entwickeln und die Module der Informationspräsentation der Benutzeroberfläche auf dieses Format abzustimmen.

Validierung des Informationssystems im klinischen Alltag

Nach Abschluss der internen Validierung erfolgt der Rollout des Psoriasis-Arthritis-Informationssystems. Dazu werden interessierte Nutzer involviert, die als Beta-Tester das System im klinischen Alltag anwenden und ihre Erfahrung mit der Nutzung zur Verfügung stellen. Die Funktion für die Rückmeldung des Nutzer-Feedbacks soll dazu direkt in das System implementiert werden. Die Auswertung der Nutzerdaten soll zu einer weiteren Verbesserung und Optimierung des Systems genutzt werden. In einem weiteren Schritt wird evaluiert, wie die Software für den Einsatz in klinischen Studien genutzt werden kann.

Ausblick

Ein Ziel der Rahmenapplikation für die Informationspräsentation ist die flexible und intuitive Möglichkeit zur Anpassung an weitere Anwendungsfälle aus dem Umfeld immunmediierter Erkrankungen. Das Informationssystem soll im Rahmen des Projekts neben der Psoriasis-Arthritis auch für eine andere Erkrankung aufgebaut werden. So soll demonstriert werden, dass auch ohne Kenntnisse der zugrundeliegenden Programmierung des Rahmens eine Prototypenentwicklung möglich ist. Als weitere Erkrankung für ein Informationssystem bietet sich z. B. Asthma bronchiale an, da das Krankheitsbild und dessen Therapie sowie die Informationen zu den Therapieoptionen ähnlich komplex sind wie bei der Psoriasis-Arthritis.